Der Engländer Stephen Hough gehört zu jenen Pianisten, die einfach nicht stillsitzen können. Musikalisch ist er immer in Bewegung. Wobei sein Radius von der großen Oktaven-Pranke bis zu zahllosen Klavierminiaturen reicht. 26 solcher Kleinigkeiten hat Hough nun für sein neuestes Album „Stephen Hough’s Piano Postcards“ zusammengestellt. Wobei sich unter den musikalischen Botschaften aus aller Welt viele Ohrwürmer finden, die auch als beliebte Zugabestückchen ein Eigenleben entwickelt haben. Dazu zählt Robert Schumanns „Vogel als Prophet“ genauso wie Fritz Kreislers „Liebesleid“ und Nikolai Rimski-Korsakows „Hummelflug“, die Hough in der Bearbeitung von Sergei Rachmaninow hinzaubert.
Doch im Mittelpunkt dieses internationalen Programms stehen Arrangements, die Hough nicht nur für sich, sondern auch im Auftrag des Kollegen Lang Lang geschrieben hat. Gleich zu Beginn erklingt die ungemein charmante „Mary Poppins Suite“ mit etwa dem herrlich romantischen wie brillant perlenden „Chim Chim Cher-ee“. Aus der Walt-Disney-Schmiede stammt der Zeichentrickfilm „Coco“, aus dem Hough eine verträumte Meditation spielt. Ein japanisches Kinderlied schließt sich an. Und über eine quirlige „Etüde“ von Jean Sibelius mündet diese pianistische „Postkarten“-Kollektion im luftig inszenierten „Frühlingsrauschen“ des Norwegers Christian Sinding. Auch solche musikalischen Grüße aus dem hohen Norden wecken in einem sofort die schönsten Sehnsüchte nach der Ferne.