Kindertotenlieder

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In February 1901, under the extreme pressure of overwork, Mahler collapsed with a severe haemorrhoidal haemorrage, during which he was convinced that ‘my last hour had come’. The event was to prove a turning point: during the following summer vacation, he composed seven Rückert songs—three of the Kindertotenlieder and four of what would become known as the cycle of Rückert-Lieder.

Although the first three songs of Kindertotenlieder were composed in the same summer of 1901, with the last two following in 1904, their overall structure is unified by their key sequence. Thus the bleak D minor of the first song (only partially warmed into the major by the rising sun) returns in the storm – surely as much symbolic as real – of the finale, a storm that resolves into the D major of the final section. In the three intervening songs, Mahler underlines the shifting emotional field of the poems as they seek for understanding and consolation. Nun seh’ ich wohl, warum so dunkle Flammen, in deciphering the message of the children’s eyes, is full of lingering appoggiaturas (‘O Augen!’) and poignant changes of key. Wenn dein Mütterlein suggests a funeral march with Bachian overtones, but on an intimate scale that befits the domestic moment it recalls. Both these songs are in C minor. The E flat major of Oft denk’ ich, sie sind nur ausgegangen by contrast has an open-air feel to it, with a lilting melody in sixths and warmer harmonies – the sidestep to G flat major on ‘Bald werden sie wieder nach Hause gelangen!’ is especially touching.

The final song, In diesem Wetter, in diesem Braus, returns to D minor in a surging, raging tempest that is a challenge to an orchestra, never mind a pianist; significantly, the moment at which it blows itself out is signalled by the return of two little notes high above the stave, which had last been heard at the end of the first song. There follows a sublime apotheosis which, having first woven a celestial lullaby for the children, returns to earth in a long, consoling postlude for those left behind.

Sentimental tradition often ascribes the composition of Kindertotenlieder to a premonition on Mahler’s part of the tragic death of his own daughter in 1907. But he was already well acquainted with infant mortality, no fewer than eight of his siblings having died in childhood. And in his settings these poems, with their striking images of light and darkness, of regret and hope, of grief and consolation, found their perfect musical expression.

from notes by Roger Vignoles © 2004

En février 1901, Mahler, surmené à l’extrême, s’effondra, victime d’une grave hémorragie hémorroïdaire durant laquelle il crut sa «dernière heure venue». Cet événement devait marquer un tournant et les vacances estivales suivantes le virent composer sept lieder sur des textes de Rückert—trois des Kindertotenlieder et quatre du futur cycle des Rückert-Lieder.

Quoique composés à deux périodes différentes (trois durant l’été 1901, deux en 1904), les Kindertotenlieder présentent une structure globale unifiée par leur séquence tonale. Ainsi le morne ré mineur du premier lied (partiellement réchauffé en majeur par le lever du soleil) revient-il dans la tempête—assurément aussi symbolique que réelle—du finale, une tempête qui se dissipe dans le ré majeur de la dernière section. Dans les trois lieder intermédiaires, Mahler souligne le champ émotionnel fluctuant des poèmes en quête de compréhension et de consolation. Nun seh’ ich wohl, warum so dunkle Flammen, qui déchiffre le message des yeux enfantins, regorge d’appoggiatures traînantes («O Augen») et de poignants changements de tonalités, tandis que Wenn dein Mütterlein rappelle une marche funèbre aux harmoniques bachiens, mais à une échelle intime qui sied à l’événement familial évoqué. Ces deux lieder sont en ut mineur et, par contraste, le mi bémol majeur d’Oft denk’ ich, sie sind nur ausgegangen exhale un parfum d’air libre, avec une mélodie chantante, en sixtes et en harmonies plus chaleureuses—le crochet accompli vers sol bémol majeur sur «Bald werden sie wieder nach Hause gelangen!» est particulièrement touchant.

Le dernier lied, In diesem Wetter, in diesem Braus revient à ré mineur, dans une tempête qui roule et fait rage—un défi pour un orchestre, alors pour un pianiste. Fait révélateur, l’accalmie est marquée par le retour de deux petites notes, bien au-dessus de la portée, entendues pour la dernière fois à la fin du premier lied. S’ensuit une sublime apothéose qui, après avoir tissé une céleste berceuse pour les enfantes, redescend sur terre en un long postlude consolateur pour ceux laissés derrière soi.

La tradition sentimentale attribue souvent la composition des Kindertotenlieder à une prémonition que Mahler aurait eue de la mort tragique de sa fille, en 1907. Mais la mortalité infantile ne lui était pas inconnue, huit de ses frères et sœurs étant morts dans leur enfance. Et il sut parfaitement exprimer en musique ces poèmes aux saisissantes images de lumière et de ténèbre, de regret et d’espoir, de douleur et de consolation.

extrait des notes rédigées par Roger Vignoles © 2004
Français: Hypérion

Im Februar 1901 brach Mahler unter dem extremen Druck der Überarbeitung mit einer schweren Hämorrhoidenblutung zusammen und war davon überzeugt, daß seine letzte Stunde gekommen sei. Dieser Vorfall sollte zu einem Wendepunkt werden: während des nächsten Sommerurlaubs komponierte er sieben Lieder nach Gedichten von Rückert – drei der Kindertotenlieder und vier aus jenem Zyklus, der als Rückert-Lieder bekannt werden sollte.

Obwohl die ersten drei Kindertotenlieder ebenfalls im Sommer des Jahres 1901 entstanden, während die letzten zwei 1904 folgten, wird ihre Gesamtstruktur doch durch die Tonartenabfolge vereinheitlicht. So kehrt das trostlose d-Moll des ersten Liedes, das von der aufgehenden Sonne nur teilweise ins Dur erwärmt wird, im Sturm (der sicherlich ebenso symbolisch wie wirklich zu verstehen ist) des Finales zurück, einem Sturm, der sich in das D-Dur des Schlußteils auflöst. In den drei dazwischenliegenden Liedern unterstreicht Mahler das sich verlagernde emotionale Terrain der Gedichte, die nach Verstehen und Trost suchen. Nun seh’ ich wohl, warum so dunkle Flammen, das sich darum bemüht, die Botschaft in den Augen der Kinder zu entziffern, ist voll verharrender Vorhalte („O Augen!“) und wehmütiger Tonartwechsel. Wenn dein Mütterlein deutet einen an Bach erinnernden Trauermarsch an, allerdings in einem vertrauteren Rahmen, der dem häuslichen Moment, den das Lied in Erinnerung ruft, angemessen ist. Beide Lieder stehen in c-Moll. Das Es-Dur von Oft denk’ ich, sie sind nur ausgegangen vermittelt im Gegensatz dazu das Gefühl, im Freien zu sein, mit einer singenden, von Sextparallelen begleiteten Melodie und wärmeren Harmonien—und das Ausweichen nach Ges-Dur bei „Bald werden sie wieder nach Hause gelangen!“ ist besonders anrührend.

Das letzte Lied, In diesem Wetter, in diesem Braus, kehrt in einem wogenden, tobenden Unwetter, das für ein Orchester, geschweige denn für einen Pianisten eine Herausforderung darstellt, nach d-Moll zurück. Bezeichnenderweise wird der Moment, in dem sich der Sturm ausgetobt hat, durch die Rückkehr von zwei kleinen Tönen hoch über den Notenlinien, die zuletzt am Ende des ersten Liedes zu hören waren, angekündigt. Es folgt eine erhabene Apotheose, die, nachdem sie zunächst den Kindern ein himmlisches Wiegenlied gewoben hat, in einem langen, den Zurückgebliebenen Trost spendenden Nachspiel zur Erde wiederkehrt.

Die sentimentale Tradition schreibt die Komposition der Kindertotenlieder oft einer Vorahnung Mahlers bezüglich des tragischen Todes seiner eigenen Tochter im Jahre 1907 zu. Das Thema Kindersterblichkeit war ihm jedoch auch vorher keineswegs fremd, da nicht weniger als acht seiner Geschwister noch im Kindesalter gestorben waren. Und in Mahlers Vertonungen fanden diese Gedichte, mit ihren eindrucksvollen Bildern von Licht und Dunkel, von Bedauern und Hoffnung, von Schmerz und Trost ihre perfekte musikalische Entsprechung.

aus dem Begleittext von Roger Vignoles © 2004
Deutsch: Bettina Reinke-Welsh

Recordings

Mahler: Songs
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Details

No 1: Nun will die Sonn' so hell aufgehn
Track 17 on CDA67392 [4'46] Last few CD copies remaining
No 2: Nun seh' ich wohl, warum so dunkle Flammen
Track 18 on CDA67392 [4'07] Last few CD copies remaining
No 3: Wenn dein Mütterlein
Track 19 on CDA67392 [4'22] Last few CD copies remaining
No 4: Oft denk' ich, sie sind nur ausgegangen
Track 20 on CDA67392 [3'01] Last few CD copies remaining
No 5: In diesem Wetter, in diesem Braus
Track 21 on CDA67392 [5'33] Last few CD copies remaining

Track-specific metadata

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