Wer hat's gethan?, TrV142

First line:
Es steht ein Lied in Nacht und Frost
composer
Meiningen, 13 November 1885; WoO84a; first published in 1974
author of text

 
For some reason this rather fine song remained unpublished in Strauss’s lifetime, and failed even to make it into the Complete Edition. It was composed in 1885, too late to be included with the eight other settings of Hermann von Gilm that made up Strauss’s precociously successful Opus 10, and a year before the next published set of songs, Opus 15. Darker in tone than any of the Op 10 songs (with the possible exception of Geduld) its funereally tolling octaves suggest a kinship with the Op 15 Michelangelo setting Madrigal—a song also addressed to a rejecting and inaccessible beloved. But in this case the canvas is far broader, not only in its continual suggestion of a wintry landscape, but also in the extended piano postlude that opens up in response to the final lines: ‘He did it, who in the field / Bedecks the lilies’. Remarkably, this peroration resembles nothing so much as the final pages of Lied der Frauen, the last of the Brentano-Lieder (see CDA67746), composed thirty-three years later. There is the same tonality, C major, the same sense of moving from darkness into light, the same orchestral sweep, and an almost identical final cadence. No other song of this period has anything like such an expansive play-out, which taken together with the rather abrupt change of tone in both poem and music—the Almighty making a rather surprising entrance in the last two lines—may have contributed to Strauss’s decision not to offer the song for publication. It was eventually published in 1974.

from notes by Roger Vignoles © 2012

Aus unbekannten Gründen blieb das wunderbare Lied Wer hat’s gethan? zu Lebzeiten von Strauss unveröffentlicht und fand nicht einmal Aufnahme in die Gesamtausgabe. Es entstand 1885—zu spät also, um mit acht weiteren Vertonungen nach Hermann von Gilm noch in der Sammlung op. 10 zu erscheinen, die Strauss einen frühen Erfolg bescherte; bis zur Veröffentlichung der nächsten Gruppe von Liedern, op. 15, verging hingegen noch ein Jahr. Im Ton ist es düsterer als die Lieder op. 10 (vielleicht mit Ausnahme von Geduld), und seine wie Trauerglocken läutenden Oktavparallelen rücken es in die Nähe der Michelangelo-Vertonung Madrigal aus op. 15—ein Lied, das gleichermaßen an ein abweisendes und unerreichbares Gegenüber gerichtet ist. Im vorliegenden Fall aber ist die künstlerische Spanne sehr viel breiter, nicht nur angesichts der fortlaufend angedeuteten Winterlandschaft, sondern auch mit Blick auf das umfangreiche Klaviernachspiel, das sich vom letzten Vers ausgehend entfaltet. Verblüffend ist die Ähnlichkeit zwischen diesem Epilog und dem Schlussteil von Lied der Frauen, dem letzten der Brentano-Lieder (siehe CDA67746), das 33 Jahre später entstand. Sie gleichen sich in der Tonart (C-Dur), im allmählichen Übergang vom Dunkel zum Licht, in ihrer orchestralen Klangfülle, und auch die Schlusskadenz beider Stücke ist nahezu identisch. Kein anderes Lied aus dieser Periode hat ein auch nur annähernd so umfangreiches Nachspiel; dazu kommt ein relativ unvermittelter Ausdruckswechsel im Gedicht wie auch im Lied—der allmächtige Vater erscheint im letzten Verspaar recht überraschend auf der Bildfläche. Zusammen mögen diese Faktoren zu Strauss’ Entscheidung beigetragen haben, das Lied nicht zur Veröffentlichung einzureichen, und es erschien schließlich 1974.

aus dem Begleittext von Roger Vignoles © 2012
Deutsch: Arne Muus

Recordings

Strauss: The Complete Songs, Vol. 6 – Elizabeth Watts
Studio Master: CDA67844Studio Master FLAC & ALAC downloads available

Details

Track 23 on CDA67844 [3'41]

Track-specific metadata

Click track numbers above to select