Das Bächlein, Op 88 No 1

First line:
Du Bächlein silberhell und klar
composer
December 1933; an Herrn Reichsminister Josef Goebbels; first published in 1951
author of text
falsely attributed to Goethe in the first published edition

 
The published version of this song attributes the poem to Goethe, but the text has never been traced. Instead its last two lines give a clue to its origin, and the reason for its composition. Strauss’s relationship to the Nazis has inevitably been the subject of much controversy, but one fact is clear, that between 1933 and 1935 he acted, at least nominally, as President of the Reichsmusikkammer. It was a position unsolicited by him, but for which he was the obvious choice, as by far the most important German composer of the day. If the septuagenarian Strauss was naïve in believing that ‘through the goodwill of the new German government … something really good can be achieved’, he was not alone at the time. But he soon became disillusioned, and by the autumn of 1934 was no longer attending the meetings, writing to the conductor Julius Kopsch: ‘I hear the paragraph on Aryans is to be tightened up … I do not wish to take part in any more of this kind of rubbish.’ In 1935 his music became the subject of vitriolic attack from pro-Nazi critics such as Walther Abendroth, a champion of the far more conservative (and himself pro-Nazi) Hans Pfitzner. Finally, in July of that year Strauss was expelled from the Reichsmusikkammer, and thereafter became the subject of official disapproval.

In the early days after his appointment in 1933 Strauss had inevitably been obliged to seek the favour of the Propaganda Ministry, and it is from this period that Das Bächlein originates. It was composed in December 1933 and originally inscribed ‘an Herrn Reichsminister Josef Goebbels’, a dedication that was suppressed when the song was first published in 1951.

If one could only ignore the thrice-repeated ‘mein Führer’ with which the poem ends, this song could be treasured as an exquisite example of Strauss in his best ‘folk-song’ mode. The piano part is almost Schubertian with its bubbling triplets, while the voice part is beautifully inflected—first lively and innocent, then quiet and thoughtful, sinking lower for the brook’s dark rocky bed, then higher with the reflection of the blue sky. The whole song is perfectly crafted, and but for its questionable history deserves to be far better known.

from notes by Roger Vignoles © 2012

In der Druckfassung von Das Bächlein ist Goethe als Verfasser des Gedichts angegeben, doch ist die Textquelle bis heute unbekannt. Stattdessen liefern die zwei letzen Verse einen Hinweis auf die Herkunft des Lieds und den Grund seiner Entstehung. Strauss’ Verhältnis zum Nationalsozialismus war und ist zwangsläufig Gegenstand heftiger Kontroversen; unumstritten ist jedoch die Tatsache, dass er von 1933 bis 1935 zumindest offiziell als Präsident der Reichsmusikkammer fungierte. Er selbst hatte sich nicht um diese Stellung bemüht, aber als mit Abstand bedeutendster deutscher Komponist der Zeit war er der naheliegende Kandidat. Das der rund siebzigjährige Strauss glaubte, „bei dem guten Willen der neuen deutschen Regierung [könne] wirklich viel Gutes gewirkt werden“, mag man naiv nennen, aber er stand mit dieser Auffassung nicht allein. Schon bald jedoch zeigte er sich ernüchtert, und spätestens ab Herbst 1934 nahm er an den Sitzungen nicht mehr teil. In einem Brief an den Dirigenten Julius Kopsch schrieb er: „Ich höre, dass der Arierparagraph verschärft werden soll […]. An derartigen weiteren Blamagen wünsche ich […] mich so wie so nicht zu beteiligen.“ Im Folgejahr wurde seine Musik zum Gegenstand scharfer Angriffe von nazinahen Kritikern wie Walter Abendroth, der sich für den weitaus konservativeren Hans Pfitzner einsetzte (auch er ein Nazi-Sympathisant). Im Juli 1935 schließlich wurde Strauss aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen und sah sich fortan einer offiziellen Missbilligung ausgesetzt.

In der Anfangszeit nach seiner Ernennung 1933 war Strauss zwangsläufig verpflichtet gewesen, sich um die Gunst des Propagandaministeriums zu bemühen, und aus dieser Periode stammt auch Das Bächlein. Es entstand im Dezember 1933 und war ursprünglich „an Herrn Reichsminister Josef Goebbels“ überschrieben—eine Widmung, die bei der Erstveröffentlichung des Lieds 1951 stillschweigend übergangen wurde.

Als hervorragendes Beispiel für Strauss’ gekonntes Komponieren im Volkston könnte sich das Lied großer Beliebtheit erfreuen—wäre da nur nicht das dreimalige „mein Führer“, mit dem das Gedicht schließt. Die Klavierbegleitung mutet mit ihren sprudelnden Triolen fast schubertisch an, während der Gesang im Tonfall wunderbar variiert wird: Zunächst ist er munter und unschuldig, dann ruhig und nachdenklich, ehe er zum dunklen, felsigen Grund des Bächleins hinabsinkt und schließlich wieder zum Spiegelbild des blauen Himmels aufsteigt. Das Lied als Ganzes ist vollendet gestaltet und hätte abgesehen von seinem problematischen Hintergrund eine weitaus größere Bekanntheit verdient.

aus dem Begleittext von Roger Vignoles © 2012
Deutsch: Arne Muus

Recordings

Strauss: Songs
CDH55202Helios (Hyperion's budget label)
Strauss: The Complete Songs, Vol. 6 – Elizabeth Watts
Studio Master: CDA67844Studio Master FLAC & ALAC downloads available

Details

Track 9 on CDA67844 [2'32]
Track 6 on CDH55202 [1'58] Helios (Hyperion's budget label)

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